Blog - oder sowas
Hier lest ihr wie Schroddi reist, verunfallt und sich grenzwertig daneben benimmt.
Frohes Schmunzeln...
2026-07-29 Kuantan – Kitler mal wieder
Hallo meine lieben Tierliebhaber,
dass ihr Tiere liebt, stelle ich keineswegs infrage. Manche lieben sie als Gesellschaft, manche eher als Beilage – ich persönlich bekenne mich schuldig: Hühnchen schmeckt mir im Curry immer noch deutlich besser als es im Garten rumläuft.
Aber während ich kulinarisch gerne die Oberhand behalte, haben sich in meinem echten Leben die Machtverhältnisse längst umgekehrt. Denn eine Katze verfolgt mich mittlerweile über Kontinente hinweg wie eine schlecht getarnte Geheimdienstoperation.
Ihr Name: Kitler. Kitty plus Hitler
Wegen des Schnauzbart-Flecks im Gesicht – der Optik nach hat die Natur hier eindeutig zu tief in die Klischee-Kiste gegriffen.
Kitler hat mich zuletzt auf Koh Tao regelmäßig vor meiner Unterkunft belagert, mit der Geduld eines Generals, der auf den richtigen Moment für die Invasion wartet. Auf Bunaken übernahm dann sein Bruder die Frontlinie – der lag jede Nacht wie ein selbsternannter Wachhund vor meiner Tür, offiziell als "Schutz", inoffiziell als Gegenleistung für sämtliche Knochenreste meines Abendessens. Ein Nichtangriffspakt mit Verpflegungsklausel, quasi.
Und während ich dachte, mit dem Inselwechsel wäre die Sache erledigt, muss Kitler sich in Thailand offenbar ein Busticket erschnorrt, ertrickst oder mit roher Gewalt requiriert haben – jedenfalls lag er plötzlich, völlig ungerührt, auf der Motorhaube eines Autos direkt vor meiner neuen Tür in Malaysia. Blitzkrieg auf vier Pfoten. Keine Kriegserklärung, keine Vorwarnung, einfach: Landung vollzogen, Gebiet in Augenschein genommen.
Die Annexion der Couch
Aber Kitler wäre nicht Kitler, wenn er sich mit einem Frontabschnitt zufriedengeben würde. Heute fand ich ihn seelenruhig auf meinem angestammten Platz auf der Couch – Vorderpfoten übereinandergelegt wie ein Feldherr, der gerade eine neue Provinz annektiert hat. Keine Diskussion, keine Verhandlung, einfach vollendete Tatsachen. Anschluss vollzogen, sozusagen.
Ich halte seitdem meine Zimmertür geschlossen. Nicht aus Bosheit, sondern aus Selbsterhaltungstrieb – denn sollte dieser Schnauzbart-Diktator erstmal Morgenluft in Richtung Kopfkissen wittern, ist mein letztes freies Territorium futsch. Ich besitze zwar zwei Kissen, aber ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich seelisch damit umgehen soll, morgens die Augen aufzuschlagen und als Erstes einem selbstzufriedenen, schnurrenden Kleindiktator direkt ins Gesicht zu blicken.
Deshalb ziehe ich hier, ein für alle Mal, meine rote Linie. Dein Gebiet – mein Gebiet. Eine klare Demarkationslinie, völkerrechtlich zwar nicht ganz wasserdicht, aber in meinem Kopf äußerst bindend.
Meine rote Linie (und warum sie hält)
Kitler, so kuschelig-diplomatisch du dich auch gibst: Mein Bett bleibt neutrale Zone. Meine Souveränität wird verteidigt – notfalls mit geschlossener Tür, notfalls mit Sitzblockade, notfalls mit einer zweiten Katzendecke als Pufferzone.
Es grüßt, mit letzter Amtsgewalt über sein eigenes Bett
Schroddi – selbsternannter Oberbefehlshaber der Matratzenfront, Wiederstandskämpfer im Kissenkrieg, vorerst noch Hausherr im eigenen Zimmer
2026-07-27 Kuantan – Klatschen, die 3.: Das rhythmische Ensemble von Zimmer 2
Hallo meine lieben Schaulustigen,
von meiner neu eingezogenen Nachbarin möchte ich euch heute natürlich keineswegs nur deshalb berichten, weil Sex sells und die Klickzahlen meines brachliegenden Blogs nach oben schrauben. Nein, es geht hier schlichtweg um soziologische Feldforschung im tropischen Milieu!
Der heutige Einzug sah anfangs noch völlig harmlos aus. Eine sympathische Dame älteren Semesters trudelte mit ihrer vermeintlichen „Tochter“ ein. Letztere sicherlich bald 25 Jahre jünger als ich (Kurze Pause für die schmerzhafte Erkenntnis: Ja, Leute, selbst wenn jemand 20 Jahre jünger ist als ich, ist die Person mittlerweile locker volljährig. Der Gedanke hat mich kurzfristig tiefer erschüttert als jede malaysische Treppenstufe).
Schichtwechsel und Gürtelmaße
Wie dem auch sei: „Mutti“ verabschiedete sich zügig nach der Schlüsselübergabe und keine halbe Stunde später bekam die frisch gebackene Anwohnerin auch schon den ersten Besuch von einem älteren Herrn, der alterstechnisch problemlos als ihr Opa durchgegangen wäre.
Sie empfing ihn an der Tür bereits in voller „Arbeitskleidung“. Was ich in diesem Etablissement unter Arbeitskleidung verstehe? Nun ja, sagen wir mal so: Der Stofffetzen, den sie als Rock bezeichnete, war so spärlich bemessen, dass mein lederner Hosengürtel vermutlich mehr intime Details vor der Weltöffentlichkeit verborgen hätte als das der Rock.
Nach knapp 30 Minuten verschwand der Senior wieder – vermutlich mit akuter Schnappatmung – und wenig später schlug bereits der nächste Artist auf. Aha. Das Klatsch-Gewerbe blüht.
Die Stoppuhr läuft: Deutsche Gründlichkeit am Fließband
Ich erkannte die Gunst der Stunde, schob meinen Plastikstuhl in den Flur, baute meinen Tisch auf und holte die Geldkassette aus dem Zimmer. Wenn schon Klatsch-Messe auf meinem Flur stattfindet, dachte ich, mache ich hier wenigstens den Inoffiziellen Türsteher und verlange Wegelagerer-Maut.
Beim nächsten Gast – nennen wir ihn den führenden Klatsch-Artisten des Ensembles – stoppte ich natürlich aus wissenschaftlichem Interesse mal die Zeit. Ergebnis: Mager. Der Gute schaffte gerade mal schweißtreibende 17 Minuten, bevor ihm wohl die Klatsch-Arme zu schwer wurden oder die Pumpe streikte. Dumm gelaufen: Erst ab einer Stehzeit von 20 Minuten hätte es von mir als aufmunternde Prämie eine Tüte Gummibärchen gegeben.
Bei Gelegenheit muss ich die Dame unbedingt mal interviewen, welche Musikrichtung hier eigentlich performt wird. Wird nur die Flöte bespielt oder gibt es wieder ein orchestrales Ganzkörper-Klatschen gegen die Holzwand? Süffisante Details aus der Akustik-Hölle wären für meine Blog-Dokumentation schließlich pures Gold.
Wiedersehen macht Freude
Als dann Klient Nummer 3 nach verrichteter Arbeit aus ihrem Zimmer gestolpert kam, traute er seinen Augen nicht. Er starrte mich auf meinem Türsteher-Stuhl an, erkannte mich sofort wieder und stammelte: „Hey, du saßest doch schon vor drei Wochen hier vorm Zimmer!“
Tja. So ist das halt. Man trifft sich immer zweimal im Leben – oder eben dreimal vor den Pforten des hiesigen Horizontal-Gewerbes. Ich mache mir in Kuantan langsam aber sicher einen echten Namen. Die Leute kennen mich. Ich bin hier quasi der unbezahlte Promille- und Sittenwächter des Flurs, der immer noch keinen einzigen Ringgit Provision gesehen hat.
Später quatschte ich kurz mit einem Nachbarn aus dem Nachbarhaus. Er grinste nur trocken und fragte: „Na, ist wieder eine von den jungen Ladys eingezogen?“ Der Mann kannte das Prozedere schon. Das Fließband-Geschäft florierte hier also schon lange bevor sie mich als ehrenamtlichen Pförtner engagiert hatten. Für schnelles Geld geht man in Südostasien eben das eine oder andere Risiko ein.
Nächster Halt: Pfadfinder-Camp
Lange muss ich mir das Spektakel nicht mehr mit ansehen. Sie hat mir schon gesteckt, dass sie nur für vier Tage gebucht hat. Danach ziehe auch ich plangemäß weiter in ein sogenanntes „Pfadfinder-Hotel“. Ich will ehrlich gesagt gar nicht wissen, welche Abartigkeiten mich dort erwarten. Warscheinlich Leute, die nachts im Flur mit echten Baumstämmen klatschen oder Knotenkunde am Bettgestell betreiben.
Ich halte euch auf dem Laufenden. Aus dem Schatten des Flurs grüßt euch,
Puff Daddy
aka. Schroddi
2026-07-25 Kuantan – Jobsuche, der Griff ins Klo
Hallo meine Gudsten,
der Pleitegeier muss mal wieder flattern gehen und sich ein paar Euros aus der Portokasse des Universums fischen. Jobsuche, wenn man nix kann und nix weiß, ist bekanntlich kein Zuckerschlecken – aber ein Pleitegeier mit leerem Magen kennt keine Berührungsängste.
Für den nötigen Kleingeld-Nachschub war ich auf der Pirsch nach einem Remotejob, irgendwo auf diesem schönen Planeten, Hauptsache WLAN und kein Chef, der einem beim Nasebohren zuguckt.
Der Traum vom steuerfreien Passiv-Einkommen
Und siehe da, plötzlich und ganz unverhofft ploppte ein Jobangebot auf, das nach Lottogewinn roch: eine deutsche Klitsche, die ihre Kohle elegant über eine US-LLC schaufelt – für mich der Jackpot, weil ich dabei quasi steuerfrei durchs Leben schweben würde, wie ein Zoll-Ninja im Nebel.
On top wird man dort als „Selbstständiger" angestellt, was vermutlich bedeutet, dass man sich Rente, Krankenversicherung und seelischen Beistand künftig selbst zusammenbastelt, am besten aus Klopapier und gutem Willen. Klingt nach Freiheit, riecht nach Praktikum ohne Netz, ohne doppelten Boden, dafür mit Bungee-Seil aus Wunschdenken.
Und der Job selbst? Ich hätte nur chatten müssen! Ausgeschrieben unter dem honorigen Titel „Chat-Moderator", garniert mit dem Versprechen, man könne von der Couch, vom Balkon oder wahlweise im Schlafanzug vom Bett aus gutes Geld scheffeln. Schreiben kann ich ja ein bisschen, wie ihr hier seht – also dachte ich, das ist mein Ticket zum Reichtum.
Bewerbung raus, nicht lange gedauert, und ich wurde zu meiner Begeisterung direkt aufgenommen. Kein Lebenslauf, kein Bewerbungsgespräch, kein „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren", nicht mal ein müdes „Was sind Ihre Schwächen". Nur ein Onlineformular und ein kurzer Identitäts-Check. Man wollte offenbar wirklich jeden nehmen, der tippen kann und noch einen Herzschlag vorzuweisen hat – Letzteres vermutlich auch verhandelbar.
Akkordarbeit an der Erotik-Tastatur
Also habe ich mich mal etwas tiefer in den Job eingelesen, quasi journalistische Sorgfaltspflicht. Es gibt sogar einen hübschen kleinen Verdienstrechner zum Regler-Schieben: Nachrichten pro Minute, Antwortquote in Prozent, Wochenstunden – dreh an den Reglern wie ein kleiner DJ des Elends, und schwupps, spuckt das Ding dir aus, was am Monatsende angeblich auf deinem Konto klingelt. Bezahlt wird nämlich pro beantworteter Nachricht. Klingt nach Trinkgeld für einen Kellner in der Provinz, aber bei genug Tippgeschwindigkeit stellt man einem 12 bis 20 Euro die Stunde in Aussicht. Es gibt eine kostenlose Video-Schulungen und eine Live-Einführung, quasi Grundschule fürs professionelle Herzchen-Verteilen.
Klar, mit Chatten einfach so Geld verdienen geht natürlich nicht. Sonst würde das ja jeder machen, und die Welt bestünde nur noch aus tippenden Millionären. Der Hintergrund: Diese Firma beschäftigt ein ganzes Bataillon an Uschis, die in Flirt- und Erotikchats die einsamen Herren bei Laune halten und mit viel Fingerspitzengefühl zur Dauernutzung der App animieren – kreativ darf man dabei sein, solange man am Ball bleibt und fleißig in die Tasten haut. Man arbeitet übrigens unter Pseudonym, die eigene Identität bleibt angeblich streng geschützt – „seriös und anonym" nennt sich das dann hochglanzpoliert in der Werbebroschüre. Vermutlich, damit man später beim Bäcker niemandem in die Augen schauen muss.
Der asexuelle Casanova winkt ab
Hups, Flirt und Erotik? Ich stellte mir das anfangs ganz possierlich vor, so nach dem Motto „Wie schwer kann virtuelles Herzchen-Verteilen schon sein, ich hab doch auch mal ein Emoji verschickt".
Doch dann fiel mir glücklicherweise rechtzeitig ein, dass Schroddi als auf den Kopf gefallener Asexueller (wofür er bereits einen Job bei der Stadt Frankfurt verloren hat, längere Geschichte) bin ich vielleicht nicht gerade der geborene Casanova, um wildfremde Männer in Chats um den kleinen Finger zu wickeln. Ich würde vermutlich nach drei Nachrichten fragen, ob wir nicht lieber über die Steuererklärung reden können. Ausgerechnet in diesem einen Bereich bin ich halt ein kleines bisschen kaputt – also habe ich meine Bewerbung wieder zurückgezogen und bin nun erneut auf Jobsuche.
Falls jemand von euch trotzdem Bock auf so einen Job hat: Meldet euch, ich könnte euch da durchaus vermitteln. Finanziell ist die Sache nämlich gar nicht so uninteressant, wenn man das nötige Talent zum Süßholzraspeln mitbringt – ich bin da leider einfach die falsche Besetzung, wie ein Vegetarier beim Grillwettbewerb.
Und an alle Herren, die Geld zahlen, um in Flirt- und Erotikchats ihren Spaß zu haben, sei gesagt: Es ist selten so, wie es aussieht. 😊
Frohes Chatten
Schroddi
2026-07-24 Kuantan – Knete, um mein Leben zu formen: Hässliche Formen waren gestern
Hallo meine lieben Arbeitnehmer, Rentner und Alltagsüberlebenden,
mittlerweile bin ich seit bald eineinhalb Jahren am Stück auf Dauer-Flucht. Quasi ein professioneller Wanderpokal ohne festen Wohnsitz, der sich mit erstaunlicher Eleganz durch die Weltgeschichte schnorrt. Der Eine oder Andere von euch beneidet mich sicherlich um meinen nicht vorhandenen Reichtum. Und ganz ehrlich: Wenn ich mir meine eigene Bilanz so angucke, würde ich mich manchmal selbst gerne um mein unverschämtes Glück beneiden.
Vom Scheitern zum Strand: Wie man sich richtig aus dem Staub macht
Meine Ausreise hatte damals übrigens weniger mit einem prall gefüllten Schweizer Nummernkonto zu tun. Es war eher eine hochdosierte Mischung aus schwerer Depression, vollkommener Verzweiflung und dem spontanen Entschluss, dem deutschen Hamsterrad den Stinkefinger zu zeigen. Manchmal braucht es eben keinen Sechser im Lotto. Es reicht dieser eine magische Moment, an dem das Gehirn meldet: „Schlimmer kann's ja eigentlich eh kaum noch werden – also pack den Koffer und schau mal, ob die Palmen woanders grüner sind!“
Anstatt also zu Hause im eigenen Saft einzugehen, bin ich lieber durch die Welt geeiert. In der näheren Vergangenheit habe ich mich in Ecken rumgetrieben (Beweisfotos gibt’s im Tab „Wo“), für die der deutsche Pauschaltourist sein Sparbuch plündert und zwei Bausparverträge auflöst.
Was normale Urlauber dort verpulvern, stand bei mir natürlich nie zur Debatte. Mein Finanzstatus war immer schon eher Kategorie „Pleitegeier auf Tiefflug“. Aber hier kommt der Plot Twist: Auch als Insolvenz-Kandidat lässt es sich königlich leben! Meine Rumdümpeleien zwischen 2010 und 2016 haben mich sage und schreibe knapp 2.000 Euro gekostet. Für den gesamten Zeitraum! Manche Ballermann-Akrobaten hauen das an einem verlängerten Wochenende für Eimer-Saufen und Flugmeilen auf Kopf.
Luxusleben zum Tarif einer deutschen Müllgebühr
Bei meiner letzten Reise habe ich es dann mal so richtig krachen lassen: Mietfahrzeug und das tägliche Schlemmen beim lokalen Garküchen-Chef inklusive. Trotzdem lagen meine monatlichen Gesamtkosten oft entspannt auf dem Niveau der Kaltmiete meiner alten Zwei-Zimmer-Bude im wunderschönen Bürokraten-Deutschland. Ich sag’s wie es ist: Finanzielle Effizienz bei maximalem Schlendrian ist meine absolute Superkraft.
In Indonesien habe ich mir mal testweise ein hartes Limit gesetzt: Maximal 250 Euro im Monat für die Unterkunft. Ergebnis? Vollkommen problemlos machbar. Klar, das war nicht immer das Ritz Carlton, aber überraschend oft hatte ich einen eigenen Pool, eine arschkalte Klimaanlage und Personal, dass mir die Bude geputzt hat. Wer braucht schon einen steifen Butler im Frack, wenn eine nette Reinigungskraft die Bude glänzend hält und die Klima zuverlässig summt?
Ein fahrbarer Untersatz war meistens auch noch drin – für schlanke 50 bis 80 Euro im Monat. Mein früherer Bankberater wäre vor Rührung vermutlich glatt in Ohnmacht gefallen und hätte mich für den Finanz-Nobelpreis vorgeschlagen.
KI, Roboter und die Rettung der menschlichen Rasse
Losgegangen bin ich damals mit ein paar zerknitterten Euroscheinen in der Tasche, was das Vorankommen nicht unbedingt vereinfachte. Lotto habe ich bis heute weder gewonnen noch gespielt, und meine früheren Arbeitgeber hatten stets ein extrem wachsames Auge auf ihre Ausgaben – sprich: auf mein Gehalt.
Also muss der Edel-Tramp jetzt wieder für frische Einkünfte sorgen. Das nehme ich gerade energisch in Angriff. Und dafür bringe ich als hochqualifizierter Tausendsassa schließlich die perfekte Mischung mit: Diplom-Manager, Speditionskaufmann, Tauchlehrer, Vollzeit-Erlebniserzähler und geborener Spaßvogel.
Sollte demnächst tatsächlich alles von Künstlicher Intelligenz übernommen werden, bleibt mir zumindest eine Krisen-Nische sicher: Welcher vernünftige Mensch will bitteschön mit einem Roboter tauchen gehen? Genau. Niemand. CPU-Fehler auf 30 Metern Tiefe kommen nämlich gar nicht gut. Manche Jobs bleiben einfach zutiefst menschlich.
Freiheit, Brutto-Kassieren und die Rückkehr der Träume
Dank dieser bahnbrechenden, ganz frischen Erfindung namens „Internet“ muss man heutzutage ja auch keinen Job mehr annehmen, der 20 Minuten im Berufsverkehr von der eigenen Haustür entfernt liegt. Man kann von praktisch überall aus schuften – vom Strand, vom Café oder notfalls direkt aus dem Bett heraus, wenn die Eigenmotivation mal wieder hart nachverhandelt werden muss.
Wenn man es als Selbstständiger klug anstellt, drückt man nicht mal mehr die Hälfte seines Eingeplanten an Steuern und Abgaben ab, die einem in Deutschland so verlässlich aus der Tasche geknabbert werden. Stellt euch das mal vor: Das komplette Brutto wandert direkt auf euer Konto, während eure Lebenshaltungskosten bei entspannt unter 1.000 Euro im Monat dümpeln. Klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht, ist aber schlichtweg gelebter Pragmatismus.
Deshalb bewerbe ich mich jetzt munter in alle Himmelsrichtungen und ziehe bald ganz sicher wieder den nächsten fetten Fisch an Land. Viel brauche ich bei meinem Lebensstil ohnehin nicht – meine Ansprüche sind erfreulich bescheiden geblieben. Solltet ihr also jemanden kennen, der einen preiswerten, extrem vielseitigen und mit allen tropischen Wassern gewaschenen Mitarbeiter sucht: Bringt uns zusammen!
Und falls ihr selbst gerade mit dem Gedanken spielt, eurem tristen Alltag den Laufpass zu geben: Lasst euch gesagt sein, wo ein Wille ist, ist noch auch ein Flug! Nur vom Träumen verändert sich auf der Couch nämlich gar nichts – zumindest nicht tagsüber. Nachts darf natürlich weitergeträumt werden. Ich übe das jetzt jedenfalls wieder, nachdem ich fast acht Jahre lang wie ein Stein traumlos durchgepennt habe.
Ich führe hier mein ganz persönliches Traumleben auf Sparflamme. Und das Beste daran: Man muss dafür kein Millionär sein, sondern einfach nur wissen, wie man das System geschmeidig ausnutzt. Kreativität ist manchmal eben doch viel mehr wert als ein volles Sparkonto.
Bleibt kreativ, bleibt neugierig und lasst euch nicht einreden, dass man für ein geiles Leben viel Geld braucht!
Es grüßt euch euer Edeltramp (mit A, nicht U)
Schroddi
(der mit 200 Euro im Monat mehr Poolzeit hat als vermutlich ihr alle)
2026-07-23 Kuantan – Die Kaki Family (An Angel mit Antennen)
Liebe Musik-Fans,
heute packe ich mal die ganz tiefen Jugenderinnerungen aus. Damals, als wir die Bravo noch physisch umgeblättert und die Poster mit Pritt-Stift an die Wand geklatscht haben, statt sie als E-Book auf dem iPad wegzuswipen…
Ach Leute, die 90er! Was für eine herrlich unbeschwerte Epoche. Es war alles so schön friedlich damals. Gut, da gab es diese Jugoslawienkriege, aber die fühlten sich für mich so weit weg an wie der Süd-Kongo. Nicht wie heute, wo man das Gefühl hat, der Iran liegt geografisch direkt im Vorgarten zwischen Deutschland und der Schweiz. Aber Politik beiseite – reden wir lieber über die echten Traumata der 90er: die Popmusik.
Ich lasse jetzt mal die Hose runter: Ich war Hardcore-Fan von Take That! Und wisst ihr was? Wenn ich heute auf Metal-Konzerten im Moshpit aktiv bin, während mir stark behaarte, verschwitzte Hünen in die Rippen krachen und ich im hohen Bogen durch die Luft fliege, summe ich im Geist immer noch heimlich „Back for Good“ 😊
Was aber damals schon mindestens genauso viel Spaß gemacht hat wie kreischen: das hemmungslose Mobbing der Kaki-Fans! Ihr wisst schon, die Kaki Family. Diese gefühlt 200-köpfige Großfamilie, die mit bodenlangen, ungekämmten Haaren (die vermutlich als eigene Ökosysteme durchgingen) auf einem völlig überladenen Hausboot hauste und textsicher den „Angel“ besang. Ich war jahrelang erfolgreich therapiert und meilenweit weg von diesem Thema. Bis… ja, bis vorgestern.
Die Kaki-Family in meinem Badezimmer
Vorgestern habe ich nämlich ein prominentes Mitglied der Kakis – ich tippe optisch und stimmlich ganz stark auf Paddy Kaki – mitten in meinem Badezimmer erwischt. Paddy stand mit ausgestreckten Fühlern und einer Matte, die bis zum Boden reichte, singend direkt neben meiner Toilette. Ich habe geistesgegenwärtig sofort die Badezimmertür verriegelt. Nicht, dass der langhaarige Barde sich noch ohne Mietvertrag in mein Bett lümmelt! Ab diesem Moment hatte ich also einen blinden Passagier. Wir hielten respektvollen Abstand – was auf knallharten 2,5 Quadratmetern (ja, Typ „Ich kann beim Kacken gleichzeitig duschen“) eine echte logistische Meisterleistung war.
Die Pafümierung
Am nächsten Tag folgte der Schock: Plötzlich tauchte auch noch seine Schwester Patricia Kaki auf. Die Haare noch zerzauster, der Blick noch entschlossener. Ein Kaki-Gesangsduett in meiner persönlichen Nasszelle? Geht gar nicht! Ich erinnerte mich an das chemische „Kaki-Deo-Spray“ im Schrank und verpasste den beiden Stars erst mal eine kräftige Brise „An Angel... but make it Giftgas“.
Als ich am nächsten Morgen verschlafen ins Bad schlurfte, traf mich der Schlag: Joey und Angelo Kaki hatten sich über Nacht dazugesellt! Die ganze Sippe lag flach. Ein echtes Woodstock-Revival auf den Fliesen. Ich war schockiert, aber gleichzeitig tief dankbar, dass mir die nächtliche Akustik-Session im Chor erspart geblieben war.
Der Weg in den Backstage-Bereich
Dem kurz darauf eintreffenden Putzmann habe ich brühwarm von der nächtlichen Kaki-Konzerttournee berichtet. Er räumte das Backstage-Badezimmer professionell auf und lüftete das Geheimnis: Die Herrschaften kommen vermutlich direkt durch den Gulli. Dafür müssen sie allerdings im Kollektiv die schwere Abdeckung anheben. Wahrscheinlich nutzen sie dafür ihre extralangen Haare als Abschleppseil.
Woher sie wirklich kommen? Keine Ahnung. Aber falls sich die Kaki Family bald wieder zum unaufgeforderten Open-Air am Waschbecken versammelt, mache ich ein Geschäft daraus. Bei der Lautstärke nehme ich von den Freiern im Haus einfach Eintritt – die kehren bei dem Gejaule am Ende ohnehin lieber bei mir ein als im Nachbarzimmer, um klatschen zu gehen. Ich fände es wirklich lustig, wenn ich dann bald eine Gruppe Freier hätte, die klatschend mit den Kellys, äh Kakis in meinem Badezimmer singen.
In diesem Sinne, meine Lieben: Singt nicht zu laut in der Dusche. Sonst steht die langhaarige Kaki-Kommune samt Hausboot-Vibe ruckzuck auch in eurem Abfluss bereit.
Mögen meine Kakis in Frieden ruhen!
Sometimes, I wish I was an Angel, sometimes…
Euer Schroddi-Superstar
2026-07-21 Kuantan – Unbekannte Altlasten und die Akte Kellerbrand
Hallo mein liebes, betreut wohnendes Volk,
manchmal hat man wirklich kuriose Begegnungen im Leben. Entweder mit durchgeknallten Profis des ältesten Gewerbes der Welt (werde euch berichten) oder eben mit den Hütern von Ordnung und deutscher Gründlichkeit.
Der nächtliche Brandalarm im Tropenparadies
Gestern Nacht erreichte mich jedenfalls eine WhatsApp meines ehemaligen deutschen Vermieters, die mich mitten in den Tropen kurz stutzig werden ließ. Er leitete mir feierlich ein digitales Anschreiben weiter: Im Kellerräumchen mit den Stromzählern stünden eine herrenlose Holztür und ein gammeliger Plastikstuhl. Brandgefahr! Befehlsverweigerung! Das Zeug müsse unverzüglich und sofort entfernt werden. In einer Folge-Nachricht schob er direkt hinterher, dass einer meiner Ex-Mitbewohner ihm mit Ermittler-Miene gesteckt habe, dieses illegale Müll-Ensemble stamme ganz zweifelsfrei von mir.
Jäger, Sammler und die Frage nach der Baukunst
Ich war erst mal perplex. Ich? Im ersten Moment konnte mein Gehirn das nicht zuordnen. Aber gut – als passionierter Jäger und Sammler geriet ich kurz ins Grübeln. Es hätte theoretisch ja sein können, dass ich mir damals mal eine wunderschöne, unbewachte Holztür abgegriffen hatte, um daraus mit meinem handwerklichen Geschick etwas Phänomenales zu zimmern. Ihr erinnert euch vielleicht noch an mein grandioses, fünf Meter langes Wohnzimmerregal? Falls nicht, ein Teil davon ist im Artikellogo. Das bestand schließlich auch aus Paletten, die mir irgendwann spontan in die Hände gefallen waren. Jeder braucht halt ein Hobby, und Müllverwertung ist quasi mein persönlicher Beitrag zum Klimaschutz.
Da ich mir nicht mehr zu 100 Prozent sicher war, ob sich damals im Vorbeigehen vielleicht doch ein Stück hochwertiges Bauholz in meinen Kellerabschnitt verirrt hatte, bat ich einen verbliebenen Nachbarn um Amtshilfe. Er möge mir bitte mal ein Fahndungsfoto dieser berüchtigten Tür schicken. Danke an dieser Stelle für die rasche Beweissicherung!
Der Anblick des Beweismittels war dann allerdings eindeutig. Das Teil war absolut kein Baumaterial, sondern bestenfalls minderwertiges Kaminholz oder thermische Verwertung im Restmüll. Null Potenzial. Kein Schroddi-Style. Mit diesem glasklaren Gutachten konnte ich meinem Ex-Vermieter beruhigt und mit absolut 100-prozentiger Sicherheit protokollieren: Weder die Schrott-Tür noch der besagte Plastikstuhl (sowas hatte ich zuletzt im Grundschulalter) gehören zu meinem Inventar.
Ich finde es ja faszinierend, mit welcher professionellen Ermittlungslogik hier gearbeitet wurde. Da dachte sich wohl irgendein Möchtegern-Scheriff mit chronischem Paragrafen-Fetisch und Beamtengenen: „Mensch, der Schroddi ist seit 15 Monaten ausgereist und auf der anderen Seite der Weltkugel. Der perfekte Tatverdächtige! Dem hängen wir die Akte einfach an, Fall gelöst, Dienstaufsicht zufrieden.“
Ich habe das dem Vermieter auch genau so diktiert und ihm viel Erfolg bei der weiteren Spurensicherung und der Täterermittlung gewünscht.
Grüße an den Hilfsscheriff
Versteht mich nicht falsch: Ich bin wirklich für fast jeden kreativen und ausgefallenen Unrat zu haben aber diesen billigen Zwergenmüll lasse ich mir sicher nicht anhängen. Ich habe da einen ganz konkreten Tatverdacht aus welcher pflichtbewussten Ecke dieser Dienstwege-Tipp kam. Ich halte jedenfalls gepflegt die Füße still und wünsche ihm einfach einen schmerzhafteren Abgang, als sein Dasein ohnehin schon für ihn bereit hält.
Meine Lieben, lasst euch keinen Scheiß von irgendwelchen komischen Leuten ans Bein binden. Dagegen wehre ich mich selbst noch aus 10.000 Kilometern Entfernung mit Nachdruck.
Gehabt euch wohl, bleibt ordentlich und haltet die Kellergänge frei, bevor noch das Spezialeinsatzkommando anrückt!
Es grüßt euch
Schroddi
2026-07-20 Kuantan – Schroddi plant mal wieder: Das logistische Himmelfahrtskommando
Meine lieben Reisewütigen und Überlebenskünstler,
bei mir setzt langsam wieder dieser gefährliche Prozess ein, den normale Menschen „Zukunftsplanung“ nennen. Bei hoffnungslos normalen Menschen in meinem Alter bedeutet das vielleicht eine Familienplanung. Bei mir bedeutet das meistens: Der auf den Kopf gefallene Schroddi brütet über Landkarten, und die globale Versicherungswirtschaft hält kollektiv den Atem an. Das kann eigentlich nur schiefgehen.
Ich bin also mal wieder auf der Suche nach einer netten Unterkunft. Am liebsten direkt am Meer, wo man ordentlich unter Wasser gehen kann. Ihr wisst ja: An der Oberfläche zu schwimmen ist mir einfach physikalisch zu anstrengend, und fliegende Fische gibt’s da oben auch viel zu selten zu sehen. Lieber runter zu den Korallen, da redet wenigstens keiner.
Zwei Kriterien stehen für meine nächste Fluchtroute fest: Ich will in einem Land unkompliziert ein Weilchen bleiben können, und der Kostenfaktor muss Schroddi-kompatibel sein. Sprich: Fast geschenkt ist gerade gut genug.
Die Philippinen-Idee und der Schwenk ins Kriegsgebiet
Meine erste Idee waren die Philippinen. Aber saisonbedingt wäre das wettertechnisch aktuell wohl eher ein orbitaler Reinfall. Was sich stattdessen als Alternative aufgetan hat? Ein ehemaliges, berüchtigtes Kriegsgebiet!
Nein, Leute, keine Sorge – ich meine nicht Deutschland. Da ist es mir viel zu kalt, zu teuer, die Leute gucken, als müssten sie zum Lachen in den Keller, und freiwillig in der Ostsee tauchen würde ich im Leben nicht. Ich spreche von Vietnam!
Ich habe also mal einen Blick auf die Geografie geworfen und direkt die erste logistische Wand gerammt. Dieses Land ist wettertechnisch völlig plemplem. Je nach Region gibt es komplett unterschiedliche Regen- und Trockenzeiten. Und der Winter geht von frostig bis magere 25 Grad. Für jemanden, der beim Unterschreiten der 25-Grad-Marke Frostbeulen kriegt, ist das der Endgegner. Meine Winterklamotten? Die lagern natürlich nach wie vor im tropischen Bali. Wo auch sonst. Perfekt durchdacht, Schroddi.
Skurrile Vietnam-Fakten für den gepflegten Kulturschock
Um mich seelisch vorzubereiten, habe ich mich mal durch die vietnamesischen Eigenheiten gewühlt. Das Land scheint wie für mich gemacht zu sein:
- Der Verkehr ist auch ein Nahtoderlebnis: Rote Ampeln werden in Vietnam eher als „freundlicher Dekorationshinweis“ verstanden. Man fährt einfach. Wenn man als Fußgänger die Straße überqueren will, muss man einfach mit gleichmäßigem Tempo losgehen und darauf vertrauen, dass die tausend Mopeds wie Wasser um einen herumfließen. Wer stehen bleibt oder rennt, verliert. Klingt nach genau dem Nervenkitzel, den ich brauche!
- Schlangenschnaps gegen alles: Da drüben steckt man gerne mal eingelegte Giftschlangen oder Skorpione in Reisschnaps-Flaschen. Das soll die Manneskraft stärken. Ich sehe mich schon nach drei Kurzen blind durch die Gassen von Hanoi fallen.
- Kaffee mit Ei: Die Vietnamesen trinken ihren Kaffee traditionell mit aufgeschlagenem, süßem Eigelb. Klingt erst mal so, als hätte jemand beim Frühstück die Kontrolle über sein Leben verloren, soll aber wie flüssiges Tiramisu schmecken. Ich trinke zu Glück ja keinen Kaffee, bin da also raus.
Der finanzielle Offenbarungseid
Abgesehen vom Wetter habe ich mir mal die vietnamesischen Inseln angeschaut. Großer Fehler. Dort sind die Lebenshaltungskosten für meine Verhältnisse astronomisch hoch. Für eine einzige Mahlzeit im Restaurant zahlt man da teilweise über 5 Euro! 5 Euro! Das klingt für mich nach purem Schickeria-Luxusleben und schmeckt mir schon beim Drandenken nicht.
Auf dem Festland sieht die Welt zum Glück wieder rosig aus: Mahlzeiten für schlanke 1 bis 3 Euro. Und als ich spaßhalber nach Unterkünften geschaut habe, ist mir glatt alles aus dem Gesicht gefallen: Wirklich schöne, klimatisierte Wohnungen, all-inclusive, für rund 200 Euro monatlich. Da bin ich genau in dem finanziellen Rahmen, in dem ich mich bereits in Indonesien bewegt habe – weit weg vom Ruin.
Aufruf an die Community
Sollte jemand von euch Erfahrungen, geniale Geheimtipps oder absolut beschissene Storys über Vietnam auf Lager haben: Immer her damit! Vielleicht seid ihr ja auch chaotisch genug, dass irgendwo in Südostasien Suchplakate oder Fahndungsfotos von euch an den Wänden hängen – so wie meine Bilder auf Bali. Lasst es mich wissen, ich suche noch Leidensgenossen und ähnlich bekloppte mit Tipps
Neben den Philippinen ist Vietnam jetzt erstmal mein heißester Hotspot im Visier. Sind wir alle mal gespannt ob, wann und wo das Ganze am Ende krachen geht.
Euch erstmal alles Liebe und einen schönen Sommerurlaub – den ich selbst übrigens schon seit 2017 (von einer jährlichen Wacken-Woche mal abgesehen) nicht mehr hatte. Ich erwarte an dieser Stelle aufrichtiges, tiefempfundenes Mitleid!
Es grüßt euch der planlose Unterwasser-Guru und Klima-Flüchtling,
Schroddi
(der schon mal übt 4-spurife Straße blind zu überqueren)
2026-07-18 Kuantan – Klatschen, die 2.?
Hallo meine liebsten Lieblingsmusikanten,
ich muss euch von einer wichtigen Entwicklung in der Wohnraumbelegung berichten. Die Nachmieter meines ursprünglichen Klatsch-Ensembles sind bereits wieder ausgezogen — kurze Mietdauer, anscheinend Durchlaufstation. Stattdessen ist jetzt eine weitere attraktive Dame ins Nebenzimmer eingezogen.
Ich beginne langsam, ein Muster zu erkennen.
Die forensische Untersuchung des Wäscheständers
Bei einem routinemäßigen Rundgang ums Haus — rein zufällig, rein zu Inspektionszwecken — fiel mir unser gemeinsamer Wäscheständer auf.
Darauf: wirklich nette Spitzenhöschen.
Ich möchte betonen: Allein aus Gründen meiner Körpergröße habe ich diese natürlich nicht anprobiert. Größe 43 in Flipflops ist bereits eine Herausforderung — bei Spitzenhöschen wäre die Größenfrage vermutlich noch komplizierter geworden.
Aber dieser Fund warf eine berechtigte Frage auf, die mein analytisches Gemüt nicht ignorieren konnte:
Wird heute Nacht wieder im Nebenzimmer musiziert?
Die Indizienkette — eine Übersicht
Lasst uns das mal sauber zusammenfassen, ganz im Sinne einer ordentlichen Ermittlungsarbeit:
Beweis 1: Vorgängerin im Zimmer — ausgesprochen aktive Klatsch-Künstlerin, mehrfach akustisch dokumentiert, Kundschaft im Seniorenalter, Duschwasser-Nachbereitung inklusive
Beweis 2: Diese Vorgängerin zog überraschend schnell wieder aus.
Beweis 3: Nachfolgerin: ebenfalls attraktiv, ebenfalls allein, ebenfalls mit auffälliger Unterwäsche-Garderobe auf dem gemeinsamen Wäscheständer.
Beweis 4: Ich wohne in einem Haus, in dem die Zimmer offensichtlich eine sehr hohe Fluktuation an alleinstehenden, attraktiven Damen aufweisen.
Ich bin kein Detektiv. Ich war nicht mal besonders gut in Mathe. Aber selbst ich kann hier langsam zwei und zwei zusammenzählen — und komme dabei verdächtig oft auf "vermutlich wohne ich in einem gut organisierten Betrieb mit flexiblen Arbeitszeiten."
Meine Reaktion — überraschend gelassen
Findet ihr das schlimm? Ich finde es ehrlich gesagt gar nicht schlimm.
Ich habe in meinem Leben schon in deutlich fragwürdigeren Konstellationen gewohnt — WG mit Schimmelproblem, Krankenhauszimmer mit zwei Litern weniger Blut als gewünscht, Hängematte mit Materialermüdung. Da ist ein Zimmer mit gelegentlicher musikalischer Untermalung aus dem Nebenraum vergleichsweise entspannt.
Ich habe daher mein kleines Eintritts-Tischchen aus dem letzten Artikel wieder aufgebaut. Kassette bereit. Freundliches Lächeln einstudiert. Geschäftsidee weiterhin in der Warteschleife, aber konzeptionell ausgereift.
Schauen wir mal, ob ich heute Nacht endlich ins Geschäft komme. Als Türsteher, wohlgemerkt. Nicht anders. Ich bleibe meinem ehemaligen Messdiener-Status treu.
Euch eine ruhige Nacht — mir vermutlich eher nicht.
Schroddi — wohnt offenbar in der inoffiziellen Kuantaner Außenstelle eines Wellness-Imperiums und findet's charmant
2026-07-17 Kuantan – Standgas-Symphonie: Eine Liebeserklärung an die Atmosphären-Zerstörung
Meine lieben Rennfahrer und Hobby-Raser,
nachdem ich hier endlich für Strom gesorgt habe und das Ganze tatsächlich zu funktionieren scheint — die einwöchige Garantie läuft ja noch, Daumen gedrückt! —, widmen wir uns heute dem faszinierenden Fahr- und vor allem Stehverhalten der Einheimischen. (Über das ANDERE Stehverhalten in Kuantan sprechen wir dann wieder im nächsten Artikel über meine liebreizenden Nachbarinnen, keine Sorge! 😉)
Ich rede hier übrigens ausnahmsweise mal nicht von der gemütlichen Stau-Geschwindigkeit eines Lamborghinis in Kuala Lumpur, den ich bekanntlich zu Fuß überholt habe. Nein, die Realität ist viel subtiler und verdammt viel lauter.
Die Beobachtung, die Greta Thunberg kollektive Schnappatmung bescheren würde
Mir ist hier folgendes Phänomen aufgefallen: Nahezu jeder lässt vor und nach der Fahrt den Motor minutenlang im Stand laufen. Bildlich gesprochen: Auto steht da. Tür zu. Motor brüllt. Meistens sitztsogar jemand drin. Die Klimaanlage ballert auf Arktis-Modus, während oft der Fahrer drinnen im Haus vermutlich noch auf die göttliche Erleuchtung oder den perfekten Moment zum Aussteigen wartet.
Als ehemals halbwegs umweltbewusster Mensch — der seinen ökologischen Fußabdruck durch endlose Flugreisen und das wiederholte Verschrotten von Yamaha FZ6-Motorrädern ohnehin schon im Alleingang ruiniert hat — musste ich einfach mal nachfragen.
Die Erklärung – Wissenschaftlich fundiert (oder so ähnlich)
Die hochoffizielle Begründung der Einheimischen lautet wie folgt:
- Die Klimaanlage MUSS das Auto vor der Fahrt komplett herunterkühlen. Macht ja keinen Sinn, in ein warmes Auto zu steigen.
- Der Motor MUSS vor der Fahrt warm laufen und nach der Fahrt abkühlen.
Logisch! Das haben sich die Jungs hier eins zu eins von der Formel 1 abgeschaut. Jeder professionelle Rennstall lässt schließlich seine Motoren vor dem Start warmlaufen — wieso also nicht auch der 90-PS-Toyota Vios auf dem wegweisenden Trip zum schäbigen Supermarkt an der Ecke?
Ich möchte an dieser Stelle kurz anmerken: Ein Auto, das in der tropischen Sonne Malaysias bei geschmeidigen 35 Grad im Schatten parkt, weist vermutlich auch ohne Vorheizen eine gewisse Grundwärme auf. Minustemperaturen gibt es hier ungefähr so häufig wie vernünftige Verkehrsregeln. Aber wer bin ich schon, dass ich der hiesigen Thermodynamik widerspreche.
Ein kurzer Gruß an die deutsche Klima-Hysterie-Fraktion
An dieser Stelle müssen wir mal kurz nach Europa schauen. Während sich in Deutschland die Lastenrad-Ultras und Klima-Ulfs beim Anblick einer Leerlauf-Sekunde hysterisch an die Windschutzscheibe kleben, den CO2-Rechner zücken und weinend ihren Fairtrade-Kamillentee verschütten, läuft hier in Kuantan der V8 einfach mal anderthalb Stunden unbemannt auf dem Hof. Warum? Weil wir es können!
Ganz ehrlich, liebe Umweltschutz-Fußgänger und Freitags-Hüpfer: Euer veganes Leben und das Verbot von Plastikstrohhalmen in allen Ehren, aber während ihr in Castrop-Rauxel über das CO2-Äquivalent eurer Hafermilch meditiert, blasen wir hier den Gegenwert eines Kleinwagens einfach so in die Stratosphäre. Und das Schöne ist: Es interessiert keine Sau!
Der geläuterte Schroddi spricht
Früher — in einem anderen Leben, vor Bunaken — war ich vielleicht auch mal der Typ Mensch, der bei sowas die Stirn gerunzelt und moralisierend etwas von „Erderwärmung“ gemurmelt hätte.
Heute? Heute bin ich geheilt! Heute denke ich mir: Wisst ihr was? Lasst die Motoren brüllen! Lasst die Klimaanlagen surren! Die Erde wird es sicher überleben. Und die Menschen auch…bis die KI was anderes vorhat. Eine zusätzliche Tonne CO2 macht den Kohl jetzt auch nicht mehr fett.
Bei einem Spritpreis von gerade mal 75 Cent pro Liter kann man sich das Standgas hier außerdem als echtes Hobby leisten. Was so ein Lamborghini im Standgas schluckt, weiß ich zwar nicht — aber davon fahren hier ohnehin weniger rum. Die umweltbewussten Einheimischen greifen stattdessen lieber zu den spritsparenden Modellen von M-BMW und AMG.
Mein aktuelles Highlight habe ich dem Artikel angehängt. Das sollte doch absolut TÜV-konform sein, oder nicht?! Sowas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen, aber ich finde die Idee irgendwie süß.
Mein neuer Lebensgrundsatz als bekehrter Anti-Umweltschützer
Früher hieß es: Motor aus, Umwelt schonen, Klimawandel ernst nehmen. Heute sage ich: Schlüssel rumdrehen, Kaffee trinken gehen, die Polkappen schmelzen sowieso — da kommt es auf ein paar Stunden Leerlauf in Kuantan auch nicht mehr an!
Also liebe Leute, seid selbstbewusst am Gaspedal und plant bei eurer nächsten Fahrt einfach mal solide zehn Minuten Standgas-Vor- und Nachlaufzeit ein. Die Luft muss kalt, der Motor heiß und die Erde... nun ja, die Erde hält das schon aus!
Es grüßt euch der Zu-Fuß-Raser, geläuterte Ex-Öko und überzeugter Standgas-Enthusiast,
Schroddi (schneller als ein Lamborghini, aber deutlich langsamer in Sachen Umweltbewusstsein)
2026-07-15 Kuantan – Die Odyssee des Verlängerungskabels
Meine lieben Versicherungsoptimierten,
heute habe ich, abgesehen von meinen legendären Mini-Flipflops, meinen ersten richtigen Einkauf in Malaysia getätigt. Eine Geschichte, die mit einer simplen Steckdose begann und in einer Garantiekrise endete, die mein deutsches Verbraucherherz zutiefst erschütterte.
Das Problem
Ich sitze für euch täglich schreibend in meinem riesigen Wohnzimmer. Unglücklicherweise sind die Steckdosen so weit entfernt, dass ich gefühlt alle fünf Minuten in mein Zimmer wandern muss, um meinen Laptop zu laden. Mein Akku und ich führen eine Fernbeziehung. Das musste enden.
Also: Auf zum Baumarkt. 300 Meter entfernt. Eine wahnsinnige Distanz, wie ihr euch denken könnt. Weil ich aber so ein Abenteurer bin, verzichtete ich todesmutig auf ein Taxi und lief. Hier ist das offenbar ähnlich wie in Indonesien: Laufen gilt als exotisches Hobby, das ausschließlich verwirrten Touristen vorbehalten ist. Einheimische sieht man hier praktisch nie zu Fuß unterwegs. Dementsprechend wird auch an Bürgersteigen gespart.
Auf meinem Weg fragte ich mich, ob das vielleicht der Grund ist, warum hier alle fünf Meter ein Automechaniker ist. Was in Kuala Lumpur die Massagesalons waren, sind hier offensichtlich die Automechaniker — eine wahre Inflation an Werkstätten. Ich wollte sie zählen, aber meine Zählkenntnisse enden bekanntlich bei zehn, und die waren nach wenigen Metern bereits aufgebraucht.
Der Baumarkt — Runde 1
Ich fand den Baumarkt, wollte ein simples Verlängerungskabel kaufen. Gab es nicht. Nach intensiver Suche fand sich lediglich ein Mehrfachstecker mit Kabel dran. Immerhin — so konnte ich gleichzeitig auch Gerti laden, meine aufblasbare, akkubetriebene Freundin, die ebenfalls regelmäßig Strom benötigt, weil ihr sonst die Luft ausgeht.
An der Kasse wurde mir freundlich mitgeteilt: Einkaufszettel aufheben, ich bekäme darauf eine Woche Garantie.
Eine Woche!?
Ich — sozialisiert in einem Land, in dem man bei jedem Kauf eines Toasters automatisch zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung plus optional weitere 24-Monats-Garantie-Pakete für 14,99 Euro extra bekommt — stand da und musste das erstmal verarbeiten.
Eine Woche ist mehr als 24 Stunden, das stimmt. Aber für einen Deutschen, der innerlich fest verankert hat, dass Konsumgüter mindestens 24 Monate mit Brief und Siegel abgesichert sein müssen, fühlte sich das an wie eine Verkürzung der eigenen Lebenserwartung. Ich nickte trotzdem tapfer, bezahlte und verließ den Laden mit einem leisen inneren Beben.
Die Verkabelung — wo Technik auf Inkompatibilität trifft
Zurück in der Unterkunft wollte ich Gerti und den Mehrfachstecker einander vorstellen. Da Gerti waschechte Deutsche ist, braucht sie natürlich einen Steckdosen-Adapter — den ich bereits in Kuala Lumpur erstanden hatte.
Dieser Adapter war in normalen Steckdosen bereits leicht wackelig, ließ sich aber mit etwas Fingerspitzengefühl zum Funktionieren überreden. Im neuen Mehrfachstecker jedoch: Totalausfall. Strom für genau eine Sekunde, dann Stille. Egal wie ich daran rumwackelte, drehte, justierte — nichts.
Toller Wurf.
Um Gerti wieder in Schwung zu bringen, brauchte ich also einen neuen Adapter. Ich watschelte zurück zum Baumarkt — Runde 2. Erfolglos. Selbst die Angestellte zuckte mit den Schultern und wusste nicht, wo man sowas finden könnte.
Der Elektriker — die Rettung
Google rettete mich, wie so oft. Ein Elektriker, ein paar Straßen weiter. Ich erklärte mein Problem, er drückte mir wortlos und ohne Zögern einen passenden Adapter in die Hand.
Preis: 80 Cent.
Ich kratzte mein Portemonnaie zusammen — nicht weil ich pleite war, sondern weil 80 Cent in Kleingeld einfach ein logistisches Puzzle sind — und bezahlte. Gut versorgt wackelte ich nach Hause, in der Hoffnung, dass Gerti endlich ihren wohlverdienten Strom bekommen würde.
Solltet ihr nichts mehr von mir hören: Wisst, dass die Kombination aus malaysischem Mehrfachstecker, Adapter und einer deutschen akkubetriebenen Gerti zu einem spektakulären Kurzschluss geführt hat — und Gerti kurzerhand meine gesamte Unterkunft in Brand gesetzt hat, das Miststück.
Bei mir, mit meiner Vorgeschichte aus Blitzschlägen, Kokosnüssen und gerissenen Hängematten, wäre das nur konsequent.
Ich wünsche euch Power — mit ordentlicher Garantie, versteht sich.
Schroddi — frisch elektrifiziert, garantietechnisch traumatisiert, und immer noch auf der Suche nach 24 Monaten Seelenfrieden 🔌
2026-07-14 Kuantan – Der große Gender-Gulasch: Ein kurzer Einwurf zur Feier des Tages
Hallo Männlein, Weiblein und alle, die sich heute noch nicht entschieden haben!
Heute driften wir mal wieder gepflegt vom Thema ab. Mir ist da nämlich was in die Hände gefallen: Wir feiern heute (Trommelwirbel...)
…den…
Internationalen Tag der nicht-binären Menschen
Als ich das gelesen habe, ist mir vor Schreck fast das Feierabendbier aus dem Gesicht gefallen. Da ich ja ein ganz normal gestörter Durchschnittsbürger bin, dachte ich in meiner naiven Einfalt erst: „Mensch, gibt es wirklich so viele Leute, die biologisch ohne Dödel oder Mumu zur Welt kommen?“
Kurze Google-Recherche später: Nö. Das Ganze findet primär im Oberstübchen statt.
(Disclaimer: Falls sich jetzt einer meiner Leser auf den Schlips, den Rock oder das Einhorn-Kostüm getreten fühlt: Sorry! Aber für mich als bodenständigen Hand-aufs-Herz-Pragmatiker ist das eben keine körperliche Tatsache, sondern kreative Gymnastik im Kopf.)
Willkommen im Streichelzoo der Identitäten
Die Zahlen der Nicht-Binären schießen jedenfalls schneller in die Höhe als die Benzinpreise. Mittlerweile reicht das klassische „Er oder Sie“ hinten und vorne nicht mehr aus. Wenn du heute up-to-date sein willst, musst du mindestens eine dieser schillernden Identitäten im Angebot haben:
- Astral-Gender: Ein Geschlecht, das sich anfühlt wie der Weltraum. Unendlich, voller schwarzer Löcher und meistens ziemlich kalt.
- Anomalo-Gender: Ein Geschlecht, das sich nur schwer definieren lässt, weil es sich ständig unter Einfluss von Anomalien verändert. Perfekt für alle, die morgens als Toaster aufwachen und abends als Seegurke ins Bett gehen.
- Cael-Gender: Ein Geschlecht, das die ästhetischen Qualitäten des Himmels teilt. (Nein, das denke ich mir nicht aus. Wenn es regnet, ist man dann wohl „unpässlich“).
- Gamer-Gender: Ja, richtig gehört. Das Geschlecht wird hierbei durch Videospiele und Gaming-Kultur definiert. Mein Pronomen ist ab sofort „Slayer/Player“ und meine biologische Funktion ist das Freischalten von Errungenschaften auf dem Klo.
Der Pass-Wechsel als jährliches Abo
Früher warst du halt Mann oder Frau und musstest damit klarkommen, was dir Mutter Natur da unten drangebaumelt – oder eben vorenthalten – hat. Heute werden Kinder in manchen hippen Communities schon proaktiv „geschmacksneutral“ aufgezogen.
Und der Staat macht fleißig mit! Mittlerweile darfst du drei Geschlechter im Pass stehen haben. Und das Beste: Dank des neuen Selbstbestimmungsgesetzes kannst du dein Geschlecht gefühlt im jährlichen Abo-Modell ändern – ganz ohne ärztliches Attest oder dass du vor dem Beamten blankziehen musst.
Ich, bekloppt wie ich bin, hatte da natürlich sofort eine grandiose Geschäftsidee: Ich wollte mich beim Amt als „Schroddi, weiblich oder divers“ eintragen lassen. Das hätte ich so hart gefeiert! Ein Jahr lang offiziell als Frau durchs Leben gehen, die Damentoiletten unsicher machen und bei kritischen Blicken der Damenwelt einfach triumphierend den Pass zücken: „Hier, bitte schön, alles staatlich beglaubigt, meine Damen!“
Die harte Landung an der Grenze
Dann kickte aber leider der gesunde Menschenverstand (ja, den habe ich manchmal noch) dazwischen. Viele Länder, so auch Malaysia und Indonesien, außerhalb unserer kuscheligen Komfortzonen-Blase finden diesen ganzen Divers-Quatsch nämlich überhaupt nicht witzig. Spätestens bei der Einreisekontrolle in manchen Ecken dieser Erde hört der Spaß auf.
„Guten Tag, Herr... äh... Frau... Schroddi. Warum haben Sie einen Bart wie ein Holzfäller, und im Pass steht als Geschlecht 'Weiblich'?“
Ich glaube kaum, dass die Grenzbeamten dort meinen Humor teilen. Und wegen eines Schroddi-Scherzes im Abschiebeknast landen? Nee, lass mal. Der Preis für meine elektronische Spontan-Geschlechtsumwandlung war mir dann doch zu hoch. Also bleibt im Pass alles beim Alten. Zumal ich nicht wüsste in welchem Knast ich tatsächlich landen würde…
Fazit
Leute, ich fühle mich mittlerweile so unfassbar konservativ und verstockt – genau wie die ältere Generation, über die ich mich als Jugendlicher immer lustig gemacht habe. Die Welt dreht sich einfach schneller, als mein Gehirn hinterherkommt.
Aber wisst ihr was? Am Ende ist es mir wurscht. Als was auch immer ihr euch heute fühlt – ob als Mann, Frau, Astralkörper oder hochauflösender Gaming-Monitor: Seid frei, seid friedlich und feiert von mir aus den Tag der Nicht-Binären!
Happy Whatever!
Dein Schroddi (der mal wieder versucht, im Schleudergang des Weltgeschehens nicht die Orientierung zu verlieren)
2026-07-13 Kuantan – Auspuff-Liebe
Meine lieben Standard-mobilisierten,
heute mal ein Männer-Thema: Autos.
Etwas, das ich auf Bunaken komplett vergessen hatte. Dort gab es Boote, Mopeds und einen Vermieter, der freihändig mit der Kettensäge Bootsdächer baut. Autos? Randerscheinung.
In Kuala Lumpur dann das genaue Gegenteil. 15+ Stunden Stau am Tag. Fahrzeuge mehr als genug — wo die alle stehen, wenn sie mal nicht im Stau stecken, ist mir bis heute ein Rätsel. Vermutlich stehen sie deshalb permanent im Stau: weil sonst nirgendwo Platz für sie wäre. Ich bezweifle ernsthaft, dass Kuala Lumpur eine durchgehende Tiefgarage unter sich hat — aber rechnet mal aus, wie viele Quadratkilometer eine Million Autos brauchen. Diese Tiefgarage müsste mindestens fünfzig Stockwerke tief sein. Vermutlich bis nahe an den Erdmittelpunkt.
Die Sportwagen-Obsession
Malaysier scheinen einen ausgeprägten Fokus auf sportliche Fahrzeuge zu haben. In Kuala Lumpur kam ich an einem Lamborghini vorbei. Ja, richtig gelesen. Mitten im Stau. Stehend. Glänzend. Wunderschön. Und ich — zu Fuß, mit zu kleinen Flipflops — war schneller als der Lambo.
Das war eine der befriedigendsten Erfahrungen meiner gesamten Malaysia-Reise. Ein Mann mit einem mindestens sechsstelligen Auto, gefangen im Stau, überholt von einem schwitzenden Deutschen in Größe 43-Flipflops, die ihm eigentlich zwei bis drei Nummern zu klein sind. Ich grinste die ganze Strecke.
Auch sonst: nicht wenige hochpreisige Autos in Kuala Lumpur. Diese Stadt hat offensichtlich nicht nur acht Millionen Einwohner, sondern auch eine ordentliche Anzahl Menschen mit deutlich mehr Kontostand als ich.
Kuantan — die Provinz schlägt zurück
Als ich dann "aufs Land" nach Kuantan zog, dachte ich: hier wird es bescheidener. Ruhiger… Normaler.
Falsch gedacht.
Ich sehe hier vermutlich mehr Mercedes und BMW in kürzerer Zeit als selbst in Frankfurt — und das sind selten die braven Standard-Modelle, mit denen man zum Bäcker fährt. Hier dominieren AMG, Brabus, M-BMWs mit Ausstattungen, die ich nur aus Tuning-Magazinen kenne. Auch die asiatischen Modelle sind hier grundsätzlich sportlicher unterwegs als anderswo. Kuantan hat offensichtlich beschlossen: Understatement ist was für andere Städte.
Der Auspuff, der mir die Sprache verschlug
Nach dem Auszug meiner musikalisch sehr aktiven Nachbarin — ihr erinnert euch an den Klatsch-Vorfall — zog ein Ehepaar ins Nebenzimmer ein. Ich habe ihnen großzügig verschwiegen, was sich in diesem Zimmer akustisch zuletzt so abgespielt hat. Manche Dinge muss man nicht weitergeben.
Der Herr fuhr mit seinem Auto vor.
Ich schaute aus dem Fenster.
Mir klingelten nicht nur die Ohren, sondern fiel auch alles aus dem Gesicht.
Der Auspuff!
Ich habe in meinem Leben schon einiges gesehen — Kokosnüsse mit Mordabsicht, Taucher die mir auf den Kopf springen, Berty's freihändige Kettensägenkunst — aber diesen Auspuff hatte ich so noch nie gesehen. Der Durchmesser war so gewaltig, dass mein Kopf vermutlich fast reingepasst hätte. Ich überlegte kurz, ob ich das testen sollte, entschied mich aber dagegen — aus Würde, nicht aus mangelndem Interesse.
Als der gute Mann den Motor wieder startete, verstand ich auf der anderen Hausseite mein eigenes Telefongespräch nicht mehr. Es war als hätte jemand neben mir ein Düsenflugzeug gestartet.
Ich stelle mir vor: in Deutschland würde man für so ein Auspuffsystem vermutlich Lärmschutz-Kopfhörer auf dem Bürgersteig tragen müssen, um nicht akustisch dauerhaften Schaden davonzutragen. Hier: völlig normal. Jeder geht weiter. Niemand zuckt.
Das Highlight zum Schluss — eine Auspuff-Liebeserklärung
Zu guter Letzt entdeckte ich noch einen Auspuff, den ich — entgegen aller Erwartungen an mich als hartgesottenen Metalhead — schlicht niedlich fand. Einen Auspuff in Herzform.
Ja, ihr habt richtig gelesen. Ein Auspuff. In Herzform. Verschweißt, verchromt, vermutlich mit derselben Hingabe gefertigt wie meine Boxershorts von der freundlichen Dame im Waschsalon gefaltet wurden.
Eine Liebeserklärung an die Umwelt war das vermutlich nicht — eher eine Liebeserklärung an Dezibel, Stil und schiere Originalität. Aber irgendwie habe ich diesen kleinen Auspuff sofort ins Herz geschlossen.
In diesem Sinne — fahrt schön, aber leise. Oder laut. Aber dann bitte mit Herzform.
Schroddi — akustisch traumatisiert, optisch begeistert, und immer noch schneller als ein Lamborghini im Stau
2026-07-12 Kuantan – Schroddi wieder in seinem Element…
Hallo meine guten Standardbewässerten,
nachdem uns heute Nacht um 4 Uhr die Straße ausgelaufen ist wie ein geplatzter Wasserballon – gefühlt hat halb Kuantan mitgeduscht, ob es wollte oder nicht – habe ich zum Glück gerade noch rechtzeitig mit den letzten Tropfen geduscht und musste mich nicht im Mankini auf der Straße waschen. Heute Morgen um 9 Uhr habe ich dann pflichtbewusst meine Vermieterin informiert. Ihre Antwort: Man würde sich drum kümmern. Klang erstmal nach Standardfloskel, so wie man sie überall auf der Welt hört, bevor eigentlich gar nichts passiert.
Was das in Deutschland bedeutet hätte, wissen wir ja alle nur zu gut: Erstmal kommt eine Verkehrssicherungsfirma und stellt in aller Seelenruhe fein säuberlich Absperrgitter, Warnbaken und mindestens drei Blinklichter auf, dazu ein Schild mit Bauzeitraum „voraussichtlich 6 Wochen".
Danach wird ein Gutachten in Auftrag gegeben. Für das Gutachten. Und wenn dann alle Formulare, Genehmigungen und Zuständigkeiten final durchgewunken sind, taucht ungefähr zwei Wochen später endlich eine Handwerker-Crew auf, die sich mit spürbarer innerer Ruhe die nächsten Tage – nach dem Frühstück - dem Problem widmet. Mit Kaffeepausen. Und einer Extra-Pause für die Kaffeepause.
Was, glaubt ihr, passiert stattdessen in einem asiatischen Land, dem ich ehrlich gesagt vieles nicht zugetraut hätte?!
Reparatur auf Malaysisch
Zwei Stunden später – ZWEI STUNDEN, meine Lieben, nicht zwei Wochen – stand bereits ein Lkw mit Ersatzrohr und einer schlagkräftigen Handwerker-Truppe vor der Tür. Keine Ausschreibung, kein Meeting, kein Projektplan, einfach: Lkw kommt, Männer springen ab, los geht's. Kurze Zeit später rollte dann feierlich ein Bagger heran, der das Loch schlicht und ergreifend mitten im laufenden Verkehr aufbuddelte – die andere Straßenseite wurde munter weiterbefahren, als wäre nebenan gar keine Baugrube im Entstehen. Absperrung? Wofür denn bitte? Ein bisschen Vertrauen in die Reflexe der Autofahrer schadet ja niemandem, dachte man sich hier wohl. Ich bin, wie so oft in diesem Land, mal wieder vom Glauben abgefallen und stand mit offenem Mund am Straßenrand wie bei einer Zirkusvorstellung.
Binnen sage und schreibe drei Stunden war das alte Rohr ausgebuddelt, ersetzt beziehungsweise repariert, das Loch wieder zugeschüttet, und die Nachbarin fegte bereits gemütlich den letzten Dreck von der Straße, so als hätte hier gerade jemand nur eine Kaffeetasse verschüttet und nicht die komplette Wasserversorgung des Viertels lahmgelegt. Der Schaden war quasi in Lichtgeschwindigkeit behoben – schneller, als ich in Deutschland brauche, um online einen Handwerkertermin überhaupt erst zu vereinbaren.
Hätte mir das jemand vorher erzählt, hätte ich ihm lachend „Bullshit!" ins Gesicht gesagt und ihm einen Vogel gezeigt. Aber ich hab's selbst gesehen, mit eigenen Augen, live, bunt und in Farbe. Wahnsinn, wie schnell, unkompliziert und effizient das ganze Prozedere ablaufen kann, wenn man einfach mal macht statt drei Ausschüsse einzuberufen.
Nach getaner Arbeit stand dann einer der Handwerker seelenruhig in Unterhose auf der Ladefläche des Lkw und duschte sich ab – war ja schließlich ordentlich schlammig geworden bei der Aktion. Freilicht-Duschshow mitten auf der Straße, kostenloser Eintritt, keiner hat sich daran gestört. Kurze Zeit später lief bei uns auch wieder Wasser, und ich musste selbst nochmal fix duschen gehen, weil mich die Arbeitsgeschwindigkeit dieser Herren tatsächlich zum Schwitzen gebracht hatte. Ich bin ernsthaft schwer beeindruckt.
Liebes Deutschland, das Land der Denker, Dichter und Ingenieure, kann sich hier wirklich eine dicke Scheibe von Malaysia abschneiden. Manchmal braucht's eben keine DIN-Norm, keine Sicherheitsunterweisung und keine Vollsperrung – nur einen Bagger, ein paar entschlossene Männer und die feste Überzeugung, dass der Verkehr schon irgendwie drumherum fährt.
Es grüßt ein frisch gewaschenes
Schroddi
2026-07-11 Kuantan – Schroddi wieder in seinem Element…
Hallo meine frisch gewaschenen,
Nachts hat sich die Erde vor unserer Einfahrt offenbar entschlossen, spontan einen kleinen Vulkan zu eröffnen – nur eben statt Lava mit Trinkwasser und einer großzügigen Portion Sand als Deko. Wo tags zuvor noch eine ordentliche Hofeinfahrt war, sprudelte plötzlich eine hauseigene Fontäne, wie ein Wellnessbrunnen, den keiner bestellt hatte.
Notduschen
Mein erster Gedanke, ganz uneigennützig und selbstlos wie immer: „Oh Gott, gleich funktioniert die Dusche nicht mehr!" Panik pur. Also bin ich, mitten in der Nacht, mit der Entschlossenheit eines Mannes auf der Flucht vor einer nahenden geruchsbedingten Apokalypse, nochmal fix unter die Dusche gehüpft. Vorsorge ist schließlich die Mutter der Porzellanschüssel, oder wie hieß das Sprichwort nochmal?
Und was soll ich sagen…gutes Näschen, mein Freund, gutes Näschen! Als ich am nächsten Mittag aufwachte (Schroddi steht bekanntlich nicht mit den Hühnern auf, sondern geht eher mit den Eulen zu Bett), waren die Hähne so trocken wie mein Kontostand. Erfahren habe ich das übrigens nicht mal aus erster Hand, sondern von anderen Gästen, die mit betrübten, ungeduschten Mienen in die Zweitunterkunft zu Duschen schlurften wie Zombies auf Entzug.
Der Besitzerin hatte ich da natürlich längst eine Nachricht geschickt, ganz Pflichtbewusster Chronist der Katastrophe, der Schroddi nun mal ist. Sie wollte sich kümmern. Doch damit nicht genug des Schauspiels: Nicht nur die Duschen waren staubtrocken, auch unsere hübschen Einfahrt-Fliesen wurden unterspült wie das letzte bisschen Selbstvertrauen bei einer Steuerprüfung – und prompt vom nächsten ausparkenden Auto in ihre Einzelteile zerlegt. Rest in Pieces.
Schroddi at home - die Zerstörungsgewalt
So schafft es Schroddi also mal wieder, ganz ohne Werkzeug, ganz ohne bösen Willen, rein durch pure Anwesenheit, innerhalb weniger Stunden eine komplette Unterkunft in ihre Bestandteile zu zerlegen. Manche Menschen hinterlassen einen Fußabdruck. Ich hinterlasse Bauschutt und trockene Wasserhähne. Es ist schon fast eine Superkraft, oder zumindest ein Fluch, für den man mich in Frankfurt hätte versichern lassen können.
Sollte das Ganze heute nicht repariert werden können, wurde mir bereits grosszügig angeboten, in die Zweitunterkunft umzuziehen, bis der Wasserhahn wieder Lebenszeichen von sich gibt. Ich hoffe natürlich inständig, dass es sich dabei um eine 8-Sterne-Unterkunft handelt, mit Butler, Champagnerdusche und einem Concierge, der meine Anwesenheit vorab bei der Versicherung meldet. Alles andere wäre schließlich unter meinem Niveau. Ich bin halt kein gewöhnlicher Gast, ich bin eine Naturkatastrophe mit Anmeldebestätigung.
Ich wünsche euch fröhliches Duschen, solange das Wasser noch läuft. Genießt es, solange ich nicht in eurer Nähe bin.
Noch keine müffeligen Grüße
Schroddi…mal wieder in seinem Element
2026-07-08 Kuantan – Schroddis 8. Geburtstag (Katastrophenmeldung inklusive)
Hallo meine besten heil gebliebenen,
Schroddi feiert heute mal wieder einen seiner unzähligen Geburtstage – und ja, ich bin jetzt offiziell 8 geworden. Und wie es sich für einen echten Ehrentag gehört, habe ich natürlich auch dieses Jahr wieder dafür gesorgt, dass mein gesamtes Umfeld pünktlich zum Jubiläum in die Knie geht. Alles andere wäre ja auch enttäuschend gewesen – die Leute erwarten schließlich was von mir.
Was man (Schroddi) so macht
Tradition ist Tradition: Es ist wieder was kaputtgegangen. Diesmal das Internet, weshalb ich euch mit leichter Verspätung aus einem Internet-Café schreibe, wo ich zwischen Teenagern beim Online-Gaming sitze und mich frage, wie mein Leben genau hierher geführt hat. Für alle Neuzugänge unter euch: Lasst mich kurz erklären, mit welchem Kraftaufwand ich mir diesen speziellen Tag vor 8 Jahren verdient habe…
Vor 8 Jahren fand ich es nämlich eine gute Idee, mit meiner Yamaha in einer Linkskurve bei Schotten spontan rechts in den Wald abzubiegen. Ein Telefonmast stand mir dabei im Weg – ein Umstand, den ich mit vollem Körpereinsatz korrigiert habe (11 gebrochene Rippen, Schädel, diverses Kleingedrucktes). Bei der Landung im Unterholz wollte dann noch ein Steinchen mitreden und hat mir einen Rückenwirbel gebrochen, der später mit viel Metall und noch mehr Geduld wieder zusammengeschraubt wurde. Dies nach meinem bis heute einzigen Hubschrauberflugs, an den ich damals komatös, leider keine Erinnerung habe. Solche Nummern kosten normalerweise Leben. Mich hat es nur eine Lederkombi gekostet, aus der ich rausgeschnitten wurde. Effizient, sag ich ja.
Der 8. Juli ist also grundsätzlich ein Tag mit Zerstörungspotential. Nachdem ich das Universum in den letzten Jahren aber schon ordentlich getriezt habe, scheint ihm mittlerweile die Puste für die ganz großen Nummern auszugehen. Es gibt sich trotzdem Mühe, das muss man ihm lassen. Dieses Jahr lief das so...
Die Geburtstagsparty
Runde 1: Das Wasserrohr (werde noch berichten)
Direkt vorm Haus ist gestern ein unterirdisches Wasserrohr explodiert – eine wortwörtliche Wasserfontäne zu Ehren meines Geburtstags. Dazu folgt noch ein eigener Bericht, das verdient seine eigene Bühne.
Runde 2: Der Kühlschrank
Kaum hat das Wasser sein Programm abgespult, entdecke ich, dass unser Kühlschrank offenbar eine Sinneskrise hatte. Kühlen? Von gestern. Er hat sich stattdessen fürs Heizen entschieden. Vielleicht bewirbt er sich heimlich für eine Kochshow, vielleicht ist es aktives Mobbing, vielleicht wollte er einfach auch mal Geburtstagsheld sein.
Innen war er lauwarm, außen fast schon Grillplatte-Niveau – heiß genug, dass ich anfing, ernsthaft über meine Fluchtwege nachzudenken. Mein Zimmer liegt nämlich strategisch ungünstig auf der anderen Seite der Wand, an der er stand, sodass ich im Ernstfall an ihm vorbeigemusst hätte. Ich hab dann vorsichtshalber mal getestet, wie sich der Hinterausgang des Hauses öffnen lässt. Nur für alle Fälle, man weiß ja nie, wann der Kühlschrank sich entscheidet, den nächsten Karriereschritt zu machen.
Was braucht man wirklich im Leben? Die Couch ist nett, aber überlebenswichtig sind eigentlich nur drei Dinge: Duschwasser, Kühlschrank, Internet. Während draußen das Rohr beschlossen hatte, eine Direktverbindung zum Gulli zu bauen, und ich lieber nicht im Mankini am Straßenrand baden wollte (den Nachbarn zuliebe, wirklich), war meine Grundversorgung mit Kaltgetränken auch schon Geschichte. Perfekt getimt, wie immer.
Runde 3: Das Internet
Und weil eine Trilogie ja irgendwie sein muss, hat heute auch noch das Internet seinen Dienst quittiert. Meine Interpretation der Fehlermeldungen: Unsere Vermieterin hat schlicht die Rechnung nicht bezahlt. Ich hab sie angeschrieben, sie wollte sich kümmern. Darum kümmert sie sich jetzt seit drei Tagen, wobei ich sie in beeindruckender Regelmäßigkeit sanft stalke.
Was, glaubt ihr, mache ich also gerade den ganzen Tag? Genau: Ich sitze andächtig vor meiner Klimaanlage und bete, dass wenigstens SIE mich nicht auch noch verlässt. So ein Schroddi-Jahrestag ist wirklich kein Zuckerschlecken, wenn jedes Gerät im Haus gleichzeitig beschließt, sich zu profilieren.
Ich drücke euch fest die Daumen, dass eurem Haushalt an eurem Geburtstag nicht das Gleiche passiert. Ich nehme das Ganze so langsam persönlich – deshalb bin ich in 10 Tagen auch hier ausgezogen. Sollen sie sich doch einen neuen Mieter zum Mobben suchen.
Ich lasse mich jedenfalls nicht von Wasser, Kühlschrank und Internet unterkriegen. Wo kämen wir denn da hin?! Aber gut, ich lass sie erstmal machen. Vielleicht feiern sie einfach nur ausgiebig mit – Schroddis 8. Geburtstag, gefeiert von der gesamten Haustechnik.
Alles Gude, bleibt heile, gesund, munter und lasst`s krachen
Schroddi - gelangweilt aber heile
2026-07-06 Kuantan – Schwitzi trifft auf Freundlichkeit
Meine Lieben,
Schwitzi (mein inoffizieller Spitzname für die Person, die nach zwei Tagen Tropenklima eine ganze Wäschetruhe voller dringend behandlungsbedürftiger Kleidung mit sich rumschleppt) brauchte dringend einen Waschsalon.
Nicht Massagesalon, Waschsalon!
Ich möchte das explizit betonen, nach allem was ich euch über Kuala Lumpur berichtet habe, könnte da leicht eine Verwechslung entstehen.
Ich fand einen. Keine 200 Meter entfernt. Packte meinen kompletten textilen Notstand zusammen, Wäsche, die mittlerweile eine eigene Postleitzahl verdient hätte, und wackelte los.
Die Erwartungshaltung — geprägt von Kuala Lumpur
Ich betrat den Waschsalon mit einer gewissen inneren Anspannung. Nach meinen Erfahrungen in der Hauptstadt:
Blicke wie Eiszapfen, Grüße die unbeantwortet im Raum verhallten und eine generelle Großstadt-Coolness, die mich emotional ziemlich kaltgelassen hatte. Ich war darauf vorbereitet, einfach nur effizient meine Wäsche abzuwerfen und wieder zu verschwinden.
Drinnen: ein paar Waschmaschinen, diverse Münzautomaten, und eine Dame mit Kopftuch.
Hier muss ich ehrlich sein: Mit kopftuchtragenden Frauen hatte ich in meinem Leben bisher selten wirklich gute Erfahrungen gemacht — und damit meine ich keine horizontalen Erfahrungen, sondern schlicht: Gespräche, Kontakt und Austausch. Weder in Deutschland noch sonst wo.
Meistens: wortloses Vorbeigehen. Ob aus religiösen Gründen, persönlicher Präferenz oder schlichter Schüchternheit weiß ich nicht — ich urteile darüber nicht, ich registriere es nur und finde es halt traurig.
Und in Kuala Lumpur wollte ja ohnehin niemand mit Fremden sprechen — kopftuchtragend oder nicht. Insofern war meine Erwartungshaltung maximal ein knappes Nicken, wahrscheinlich nicht mal das.
Die Realität — eine Vollbremsung meiner Vorurteile
Diese Dame war freundlich, aufgeschlossen und Humorvoll. Sie sprach mich an und wir unterhielten uns. Es war — und ich sage das mit echter Überraschung — eines der herzlichsten kurzen Gespräche, die ich seit meiner Ankunft in Malaysia hatte.
Ich stand da. Baff. Mal wieder. Ich sammle in letzter Zeit ja regelrecht Baff-Momente, Unfälle und fremde Frauen die meinen Einkauf zahlen. Jetzt eine herzliche Begegnung im Waschsalon. Mein Erstaunungs-Konto ist mittlerweile gut gefüllt.
Eine Stunde später — die Krönung
Ich holte meine Wäsche ab. Sauber. Frisch. Und dann sah ich es: Meine Boxershorts waren fein säuberlich zusammengelegt und eingerollt.
Eine fremde ins Kopftuch gehüllte Dame hatte meine Unterwäsche ordentlicher gefaltet, als ich das selbst je in meinem Leben getan habe. Ich war, und das meine ich völlig ironiefrei, gerührt.
Die Erkenntnis
Ich stand mit meiner frisch gewaschenen und liebevoll gefalteten Wäsche da und realisierte: die Mentalität hier in Kuantan ist eine komplett andere als in Kuala Lumpur. Keine Großstadt-Kälte. Keine durch-mich-hindurch-Blicke. Stattdessen: echte, warme, unaufgeregte Herzlichkeit — die mich fast schon an Bunaken erinnerte, nur ohne Schildkröten und mit deutlich mehr Waschmaschinen.
Ich begann mich langsam in Kuantan zu verlieben. Eine winzige Kleinstadt mit nur 500.000 Einwohnern, die definitiv kein Touristenort ist, in der mich aber niemand komisch anschaut, viele grüßen und sogar Boxershorts mit Hingabe gefaltet werden.
Meine Unterkunft habe ich bereits verlängert. Ich bin gespannt, was noch kommt — vielleicht ein weiterer freundlicher Mensch, vielleicht eine weitere kuriose Begegnung, vielleicht beides gleichzeitig. Bei mir ist ja eigentlich immer beides gleichzeitig im Angebot.
Ich halte euch auf dem Laufenden
Schroddi — frisch gewaschen, herzlich überrascht, und immer noch baff
2026-07-05 Kuantan – Wo ich unterkam
Meine lieben Musikliebhaber,
ich bin also in Kuantan angekommen und in meine neue Unterkunft eingezogen. Sechs Wohneinheiten, sieht aus wie ein reguläres Wohnhaus, schönes Wohnzimmer mit zwei Couches, großem Tisch. Gemütlich. Bodenständig. Harmlos.
Dachte ich…
Im Erdgeschoss: drei Einzelzimmer. Im ersten Stock: größere Zimmer mit 2-4 Betten. Meins war klein, sauber und ausreichend. Die Mitbewohner wechseln wohl häufig. Ich bin offensichtlich der einzige Ausländer im Haus und scheinbar auch einer der wenigen Touristen überhaupt in Kuantan zu sein. „Weiße Menschen“ habe ich hier bisher so gut wie keine gesehen. Kuantan ist kein Touristenort. Kuantan ist einfach... Kuantan. Eine Stadt, die ihr eigenes Leben lebt, ohne sich darum zu scheren ob irgendein Europäer in zu kleinen Flipflops durch die Straßen schlurft.
Die Nachbarin — eine erste Beobachtung
Im Zimmer gegenüber wohnt eine junge Dame. Wenn ich sie gesehen hab, dann immer in recht aufreizenden Klamotten. Des Anstands halber habe ich sie noch nicht genauer inspiziert — ich bin schließlich ehemaliger Messdiener und trage Verantwortung.
Ich registrierte ihre Existenz. Nickte und grüßte höflich und ging meiner Wege.
Der musikalische Abend — eine Chronologie
Heute saß ich also friedlich im Wohnzimmer und bloggte für euch. Schöner Tag. Ruhige Atmosphäre. Nichts Ungewöhnliches.
Dann: meine attraktive Nachbarin öffnete unsere Haustür, ließ einen Herrn im Alter von geschätzten 50+ Jahren eintreten, und die beiden verschwanden in ihrem Zimmer.
Kurze Zeit später…ich hörte Duschwasser.
Ich runzelte die Stirn. Ein älterer Herr besucht eine junge attraktive Dame um zu duschen? Ich bin naiv aber nicht so naiv. Ich wartete also noch fünf Minuten, stand auf, ging in mein Zimmer „um Wasser zu holen“ und lauschte dabei kurz dem, was durch ihre Tür drang.
Klatsch. Klatsch. Klatsch. Klatsch….
Rhythmisch. Ausdauernd. Engagiert.
Aha!
Mein Verdacht hatte sich bestätigt: Sie treffen sich zum Musizieren!
Natürlich. Was sonst? Klassisches Klatsch-Ensemble, Besetzung: zwei Personen, ein Zimmer, keine weiteren Instrumente notwendig. Die Dame sang nicht — was ich angesichts der im ersten Stock eingecheckten Familien mit Kindern durchaus als Rücksichtnahme wertete. Ich höre ohnehin lieber Heavy Metal. Geschmäcker sind verschieden.
Nach einer Weile — die musikalische Session lief, Rhythmus konstant, Publikum: ich, unfreiwillig. Dann öffnete sich die Zimmertür. Der Herr trat heraus. Sichtlich abgekämpft vom Klatschen. Das Klatschen hatte ihn offensichtlich einiges gekostet. Er verließ wortlos das Haus mit der Energie eines Mannes, der sein musikalisches Tagesprogramm erfolgreich abgearbeitet hat.
Dann: wieder Duschwasser.
Professionelle Nachbereitung nach intensivem musizieren. Ich respektiere das.
Geschäftsidee des Tages
Ich lehnte mich zurück und dachte nach. Neben einem solchen Musikantenstadel habe ich zuletzt vor etwa 25 Jahren gewohnt. Interessante und lustige Erinnerungen.
Dann kam mir ein Gedanke…
Ich sitze hier sowieso im Wohnzimmer. Die älteren Herren kommen regelmäßig vorbei. Das Haus hat einen Eingang. Ich sitze quasi strategisch günstig.
Was wäre, wenn ich beim nächsten Besuch einfach Eintritt verlange?
Kleiner Tisch. Kassette. Freundliches Lächeln. "Zehn Ringgit bitte, das Konzert beginnt gleich." Schroddi als Türsteher und Geschäftsführer zugleich. Mein Management-Diplom endlich praktisch eingesetzt.
Einstweilen ist es aber okay. Sie scheint ohnehin nicht laut zu singen. Die Familien im ersten Stock schlafen ungestört. Der Musikantenstadel läuft leise und diskret. Alles bestens. Fast wie Bunaken — nur mit anderem Unterhaltungsprogramm.
Meine Miete habe ich den gleichen Abend gleich mal 2 Wochen verlängert.
In diesem Sinne:
Rock on!!! 🎵
Schroddi — unfreiwilliger Konzertzeuge und potenzieller Türsteher
2026-07-04 Kuantan – Freundlichkeit
Liebe Leut,
ich bin mal wieder baff. Aber diesmal auf die gute Art. Setzt euch kurz hin.
Ich hatte euch bereits von meinem ersten Eindruck in Kuala Lumpur berichtet. Barfuß, Hungrig, Betrugsversuch, Flipflop-Kollaps auf der ersten Treppenstufe. Der Empfang war, sagen wir: ausbaufähig.
Die Freundlichkeit in den Straßen? Mäßig. Meine Grüße wurden regelmäßig mit Blicken erwidert, die sagten: "Was will dieser seltsame Europäer und warum spricht er mit mir?" Ich meine, ich weiß, es ist eine Großstadt. Man grüßt nicht jeden. Aber ein kleines Kopfnicken hätte die Weltordnung nicht erschüttert.
Zum Vergleich: Auf Bunaken grüßten mich selbst Mopedfahrer, die an mir vorbeifuhr. Hier in Kuala Lumpur schauen die Leute durch mich hindurch als wäre ich ein schlecht gerendertes 3D-Modell. Der Abstieg war... merklich.
Dann aber das…
Der Supermarkt-Vorfall
oder: Schroddi zweifelt kurz an der Realität
Nach meiner ersten Nacht in Kuantan wollte ich mir im nächstgelegenen Supermarkt das Lebensnotwendige besorgen: Duschgel, Mundwasser, Red Bull, Mineralwasser. Das Grundgerüst meiner Zivilisation. Bescheiden, aber effektiv.
Vor dem Eingang sprach mich eine Dame an — ein paar Jahre älter als ich, exzellentes Englisch, sofort herzlich. Wir blieben im Eingang stehen und blockierten zuverlässig den gesamten Eingangsbereich, was wir beide komplett ignorierten. Ein wirklich nettes Gespräch. Dann trennten sich unsere Wege — sie links, ich rechts, in diesen Mini-Supermarkt.
Ich stöberte, sie stöberte. Wir begegneten uns erneut beim Mineralwasser im Regal, kamen wieder ins Gespräch und ich beschwerte mich über die Mineralwasserpreise. Dann liefen wir gemeinsam zur Kasse.
Sie schaute auf meine Artikel. Schaute mich an. Sagte: "Stell das dazu. Ich zahle."
Ich stand ungläubig da und mein Gehirn vollzog einen kurzen Neustart.
Fehlermeldung. Input nicht erkannt. "Sie zahlt?"
Ich checkte kurz: Habe ich etwas verpasst? Ist das eine Falle? Bin ich in einer versteckten Kamera-Show? Hat jemand heimlich meinen Rucksack gegen einen anderen ausgetauscht? Habe ich noch meine Hose an?
Ja. Alles dran. Alles normal. Fremde Frau. Zahlt meinen Einkauf. Einfach so.
Sie zahlte tatsächlich.
Duschgel, Mundwasser, Red Bull und Mineralwasser — beglichen von einer Frau, die ich vor sechs Minuten zum ersten Mal im Leben gesehen hatte.
Ich stand an der Kasse wie ein Mann, der gerade Zeuge eines Wunders geworden ist, das er theologisch nicht einordnen kann. Hier in Malaysia, nach drei Tagen Großstadt-Kälte in Kuala Lumpur, fühlte es sich an wie eine Erscheinung.
Ich fasste mich, bot ihr sofort an, ihre Einkäufe zum Auto zu tragen. Sie nahm an und wir verabschiedeten uns herzlich mit guten Tipps für die Stadt.
Dann wackelte ich nach Hause, genoss mein kostenloses Frühstück und saß da mit der stillen Erkenntnis: Die Unfreundlichkeit beschränkt sich wohl auf Kuala Lumpur. Großstadtleben halt. Knapp 4 Stunden Busfahrt weiter ist die Welt wieder eine ganz Andere.
Und damit zu der entscheidenden Frage des Tages — einer Frage, die ich euch aus tiefster Überzeugung stelle:
Wie oft hat euch beim Rewe schon jemand Fremdes spontan den Einkauf bezahlt?
Ich warte...
Ich warte noch...
Genau.
Frohes Shoppen
Schroddi — noch immer baff, vollständig hydriert dank fremder Großzügigkeit, und offiziell in Malaysia angekommen